Kanzleiwebsite ist schon falsch.

Als ich begann Websites zu programmieren, um mir als Schüler mein Taschengeld aufzubessern, war eine Website eine Visitenkarte im Internet. Man sprach auch eher von “Homepage” zu diesen Zeiten, wobei das bei restriktiver Auslegung auch damals schon nur die Startseite meinte. Aber es soll nicht um Termini gehen.

Die Zielsetzung: Kontaktaufnahme ermöglichen. Später erkannte man, dass online mehr möglich ist und man darüber hinaus auch informieren könnte. Viele Kanzleiwebsites verfolgen noch heute nur diese beiden Ziele.

Nun darf man in einer digitalisierten Welt fragen, ob E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Faxnummer taugliche Mittel sind, Mandaten eine einfache Kontaktmöglichkeit zu bieten. Wie bei allem im Marketing ist das eine Frage der Zielgruppe. Steht der Besucher Ihrer Kanzleiwebsite noch am Anfang seiner Reise zur Mandatierung, spielt es eine große Rolle, wie hoch die Schwelle zum Erstkontakt ist. Eine einfache Frage (“Beraten Sie auch zum Thema …?”) tippt sich viel eher in eine kleine Chatbox am Bildrand – als in Outlook eine E-Mail zu verfassen und direkt seine Identität preisgeben zu müssen.

Das ist nur ein Beispiel, das zeigt, dass im Kanzleimarketing häufig entscheidender ist, warum Mandanten etwas nicht tun. Das Wissen um Wünsche und Bedürfnisse ist eine notwendige Voraussetzung. Aber das reicht nicht aus. Hypothesen über unerkannte Verhaltens­­barrieren aufzustellen und zu verifizieren, schafft Wettbewerbsvorteile.

Nicht alle Hypothesen können wahr sein. Darum geht es aber auch nicht. Es geht um das scharfsinnige Beobachten und das Bewusstsein, alle Prozesse von Beginn an aus der Perspektive des Mandanten zu denken. Dazu kann dann auch gehören, dass der Mandant vielleicht gar nicht weiß, in welches Rechtsgebiet und welchen Menüpunkt das eigene Problem fällt.

Die auf der Kanzleiwebsite abgebildeten Informationen sollten so aufbereitet sein, dass sie der angesprochene Mandant aus seiner Situation heraus versteht. Bedienen Sie diverse Mandantengruppen, kann das auch auf einer Website ganz unterschiedlich sein. Hier hilft es, die Kanzleiwebsite eben nicht als Visitenkarte, sondern als Ergebnis einer Suchanfrage zu sehen, die dem Besuch vorausgeht. Wer die eigene Website durch die Brille von Google betrachtet, macht nicht nur die Maschine, sondern auch den Menschen glücklich.

Wenn Sie fragen, wie die Kanzleiwebsite akquisefähig wird, stellen Sie die richtige Frage – nur eben falsch herum. Machen Sie die Kanzleiwebsite zur Mandantenwebsite.

Wenn Sie sich voll auf Ihre Anwaltstätigkeit konzentrieren und Ihr Kanzleimarketing professionalisieren wollen, sollten wir sprechen.